Starte hier den Soundtrack und lese einen Abschnitt aus dem allerersten Soundbook. Wir empfehlen das an einem ruhigen Ort und mit Kopfhörern zu tun. Bitte beachte: Eine kurze Leseprobe ist eventuell nicht völlig repräsentativ für das Soundbook-Erlebnis, da es schwerer ist, in den “Flow” zu kommen, von dem ein Soundbook lebt.

Soundtrack starten/ pausieren

David stand inmitten von aufgerissenen Kartons. Eine böse Ahnung hatte ihn ins Lager rennen und nach haltbaren Lebensmitteln suchen lassen. Was wenn der Stromausfall länger andauern würde? Länger als bis morgen. Länger als ein paar Tage. Er wollte sich gar nicht ausmalen, was danach passieren konnte. Und wenn die Sonne erst so stark war, dass sie das Haus nicht mehr verlassen konnten, wären sie völlig von der Lebensmittelversorgung abgeschnitten.

Er kramte durch die Kartons, stapelte Konservendosen mit eingelegtem Fisch, Tomaten und Oliven in eine stabile Kiste. Zwei große Hände voll mit Schokolade und einige Flaschen Saft. Er legte noch zwei Flaschen Obstbrand dazu, der hohe Alkoholgehalt könnte sich vielleicht als nützlich erweisen. Ölflaschen, Pumpernickel, Honig- und Marmeladengläser beförderte er in eine zweite Kiste. Er trug die vollen Kisten durch den Verkaufsraum auf den Parkplatz. Es war inzwischen fast 11 Uhr, die Sonne schien und es war einer der ersten Tage im Jahr, an dem die Luft wirklich warm wurde. In anderthalb Stunden würde der Sonnensturm die Erde treffen. Auf der Straße war viel Verkehr, gehetzt wirkende Menschen eilten den Gehsteig entlang.

David stellte die Kisten auf den Boden und beeilte sich den Wagen aufzuschließen. Sein Wagen hatte keine Zentralverriegelung, geschweige denn einen Funkschlüssel. Er fummelte den Schlüssel aus der Tasche und sah dabei wie zwei Männer ihn von der anderen Straßenseite beobachteten. Beide waren etwa in seinem Alter. Es lief ihm kalt den Rücken herunter und seine Hände wurden schwitzig. Dann bekam er jedoch den Schlüssel zu fassen, steckte ihn in das Schloss und drehte ihn um. Schnell stellte er die beiden Kisten nebeneinander in den geräumigen Kofferraum des Kombis und schlug die Heckklappe wieder zu. Als er sich umdrehte, waren die Männer wieder verschwunden.

Er drängelte sich durch den Verkehr, so wie alle anderen auch. Auf der Stadtautobahn gab es Stau, weil etliche Fahrzeuge liegen geblieben waren. Er fuhr vorbei an Audis, Mercedes und Teslas, alle mit neuerem Baujahr. Wahrscheinlich hatte die feine Elektronik der Autos den Sonnenwinden, die jetzt schon die Erde trafen, nicht standgehalten. Es brauchte ja nur ein kaputtes Bauteil und der Wagen gab den Geist auf. Die Besitzer standen daneben, wild auf dem Handy herumtippend, scheinbar ohne jeden Erfolg. David hoffte nur, sein guter, alter Volvo würde ihn noch bis nach Hause bringen.

Nachdem er die Autobahn verlassen hatte, kam David an einem kleinen Drogeriemarkt vorbei. Einige Leute hasteten hinein und heraus. Sie wirkten gestresst und hatten haltbare Lebensmittel, Wasserflaschen und Kerzen unter den Armen. Auf ihren Gesichtern standen Sorgen, Angst und Ungewissheit, jedoch noch keine Panik. Er stellte den Wagen vor dem Laden ab und schickte ein Stoßgebet in den Himmel, er möge später wieder anspringen.

Im Laden herrschte Chaos. Eine völlig überforderte Kassiererin versuchte, die vielen Menschen daran zu hindern, den Laden ohne Bezahlung zu verlassen. Zwei Frauen stritten, wer die letzte Babynahrung bekam. Ein Halbwüchsiger ging durch die Regalreihen und riss wahllos Dinge heraus. Einige Sachen nahm er mit, andere warf er hart auf den Boden, wo sie zerplatzten oder zerbrachen. Mehrere Menschen versuchten, sich einen Weg durch das Chaos zu bahnen, um noch ein paar Dinge für ihre Familien zu bekommen. Es war ein Bild der Verwüstung.

David lief los. Er hätte nicht gedacht, dass die Situation so schnell eskalieren würde. Obwohl es ihm schwer fiel, versuchte er die verzweifelten Frauen zu ignorieren. Er konnte und wollte sich gar nicht vorstellen, wie sie sich gerade fühlen mussten. In der Hautpflege Abteilung ließ er den Blick über das halb leere Regal schweifen. Als er die Sonnencreme gefunden hatte, steckte er sich mehrere Tuben in die Jackentaschen und machte sich wieder auf den Rückweg. Im Vorbeigehen nahm er neben Energieriegeln noch eine große Packung Teelichter mit und half einer jungen Frau, die sich nach Küchenpapier reckte. Wozu auch immer sie das jetzt benötigte. Er steckte ihr noch eine Tube seiner Sonnencreme zu, schlängelte sich dann vorbei an der Verkäuferin und verließ den Laden ohne zu zahlen. Der Motor startete glücklicherweise ohne Probleme.